Assisi

Franziskanische Gemeinschaft bewegt Menschen

Herausforderung der Vielfalt – Geschwisterlichkeit konkret leben

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Impulstag für Vorstehende, Vorstände und geistliche Assistenten

Obwohl einige sich wegen der Grippe entschuldigen lassen mussten, trafen sich rund zwanzig franziskanisch Engagierte am Sonntag, 4. Januar 2026, im Antoniushaus auf dem Mattli. Gemeinsam wollte man die Herausforderung der heterogenen Franziskanischen Gemeinschaften angehen, besprechen und erhellen. Franziskanische Menschen bewegen sich innerhalb ihrer franziskanischen Spiritualität in einer Freiheit, die auch fordern kann.

Ein Lied von Eugen Eckert und Helmut Schlegel begleitete die Anwesenden mehrmals:

  1. Aus allen Dörfern und Städten sind wir unterwegs zu dir. Aus den Tälern und Bergen sind wir unterwegs zu dir. Aus den Hütten und Häusern sind wir unterwegs zu dir. Aus Büros und Fabriken kommen wir als dein Volk.
  2. Mit gezeichneten Menschen sind wir unterwegs zu dir. Auch mit lachenden Kindern sind wir unterwegs zu dir. Mit den Schwestern und Brüdern sind wir unterwegs zu dir. Auf den Spuren der Liebe kommen wir als dein Volk.
  3. Voller Hunger nach Frieden sind wir unterwegs zu dir. Dass Gerechtigkeit werde, sind wir unterwegs zu dir. Zur Bewahrung der Schöpfung sind wir unterwegs zu dir. Voller Glauben und Hoffen kommen wir als dein Volk.
  4. Weil wir Jesu Ruf folgen, sind wir unterwegs zu dir. Wenn wir teilen und heilen, sind wir unterwegs zu dir. Wo wir singen und beten, sind wir unterwegs zu dir. Wenn wir glaubwürdig leben, wachsen wir als dein Volk. 

Die Lied-Inhalte weisen auf das franziskanische Spezifikum und darauf, was viele auf dem Mattli bewegte. Schön war die musikalische Gestaltung dieses Tages. Sie verwies auch auf die franziskanische Verspieltheit trotz ernster Themen. Der Leitsatz dieses Tages kam von Papst Leo XIV: Packen wir die Herausforderungen an und gestalten unsere geschwisterliche Zukunft im Angesicht des uns einenden, dreifaltigen Gottes. 

Schon der Plenumsaustausch zur Frage «Was ist mir wichtig an meinem ‘franziskanisch Sein’» zeigte, wie vielfältig die Teilnehmenden auf ihrem franziskanischen Weg unterwegs sind. Um uns im gemeinsamen Hören zu üben, verteilten wir uns auf drei Gruppen und vollzogen einen spirituellen Dialog in drei Schritten, wie es auch die katholische Kirche in den letzten Jahren mit dem konziliaren Prozess geübt hat. Das «Aufeinander-Hören» ist besonders dann herausfordernd, wenn einen Lebensrealitäten bedrängen und die verschiedenen Lebenswirklichkeiten aufeinanderprallen. 

Kurz zusammengefasst bestand der Prozess in drei Schritten daraus, im Angesicht Gottes, sich selber auszudrücken (1), mitzuteilen, was einem von dem von den anderen Gesagten bewegt hat (2) und in einer dritten Runde mögliche gemeinsame Linien zu formulieren und festzuhalten.
Nach einem Atemholen in der Kapelle ging es zu einem köstlichen Mittagessen. Ja, geniessen ist auch eine franziskanische Kunst.

Die am Vormittag beschriebenen Plakate der drei Gruppen wurden nach der Mittagspause wieder aufgenommen. Es gab dazu zwei Sichtungs- und Auswertungsrunden. Die Plakate selbst zeigten schon eine grosse Diversität wie auch deren wahrnehmen und auswerten. Vieles und Unterschiedliches bewegt franziskanische Menschen! Nach dem Wahrnehmen unserer Lebensrealitäten war dann der Input von Franz von Assisi aus dem Spiegel der Vollkommenheit 85, FQ 1285-1286 ein weiterer Höhepunkt. Franziskus überlegte sich die Eigenschaften und Tugenden, mit denen ein guter Minderbruder geschmückt sein müsste. Als er um sich schaute, merkte er, dass diese nicht von einem, aber von zehn seiner Brüder gemeinsam gelebt werden. Nicht einer wird hervorgehoben, sondern gemeinsam findet man zur Vollkommenheit. Spannend ist dabei auch, wie Franziskus seine Brüder beobachtet und wahrgenommen hat. Da kann man einiges von dem Heiligen lernen! Das Zuhören – das wir am Morgen gemeinsam geübt hatten – beherrschte Franziskus wohl meisterlich. 

Anschliessend an diese franziskanische Inspiration zogen sich die Teilnehmenden in den jeweiligen Ortgruppen zurück und hielten schriftlich fest: «Welche Charismen / Gaben / Talente / Eigenschaften / Kompetenzen etc. schätze ich an meinen Geschwistern in meiner FG». Ein länger dauernder ungeplanter Austausch ergab sich aus der Frage nach dem Gemeinsamen und dem Unterscheidenden von Franziskanischer Gemeinschaft und Laienordens(OFS)-Mitgliedschaft. Es zeigte sich deutlich, dass diese beiden nicht deckungsgleich sind, sich aber dennoch in existentieller Weise befruchten. Die FG ist ein staatsrechtlich verfasster Verein, während die Bedingungen für eine Mitgliedschaft im OFS durch das Kirchenrecht festgelegt werden. Beiden Lebensformen ist eine eigene Berufung inne, die sich aber aus derselben Spiritualität, demselben Evangelium nährt.

Ein feierlicher Gottesdienst schloss dann die gelungene Tagung ab. Die Texte zu Epiphanie passten gut zum Tagungsthema und rundeten so das Erlebte und Erfahrene massgeschneidert ab. Einen herzlichen Dank an die vielen engagierten und teilenden Miterb:innen und «Glieder des einen Leibes», um im Bild des Apostels Paulus zu sprechen.

Wer die Predigt von Br. Adrian zu Epiphanie nachlesen möchte, findet sie hier: Vielfalt dank Paulus