Assisi

Franziskanische Gemeinschaft bewegt Menschen

Wandertage Schweiz - Ein Rückblick

Grosser St BernhardRückblick ‚Wandertage Schweiz‘ vom 16.06. – 19.06.2022
In St. Maurice trafen sich an Fronleichnam 10 franziskanisch und spirituell interessierte Wander*innen bereits am Bahnhof. Wir wurden zeitgleich, von der Strasse der Abtei herkommend, von der Fronleichnamsprozession empfangen, die dann in genauer Reihenfolge in die enge Hauptstrasse des Dorfes mündete. Voraus die Dorfmusik, die Behörden, Klerus, Erstkommunikanten, unter dem getragenen Himmel der Hauptzelebrant mit der Monstranz und zuletzt das Gottesvolk. Der Schreiber fühlte sich an seine Ministrantenzeit vor 50 Jahren zurückversetzt, als er dies in seinem Dorf letztmals so erlebte.
Der einzige Unterschied ist, dass der Himmel über dem Hauptzelebrant neu von je 2 Frauen und 2 Männern getragen wurde. Immerhin ist hier beim Tragen des Himmels die Gleichberechtigung in der Kirche bereits zu 100% vollzogen.
 
Warum der Beginn in St. Maurice?
St. Maurice hat eine alte Geschichte seit damals, als die thebäische Legion mit den Römern um ihren Glauben kämpfte und entsprechend bekannte Heilige hervorbrachte, die bereit waren, für ihren Glauben zu sterben. Die Abtei, seit mehr als 1500 Jahren bestehend und damit längste dauerhaft belebte Gemeinschaft der Christenheit, hat hier ihren eindrücklichen Ort. Zudem haben im 2021 in St. Maurice die ersten ‚Wandertage Schweiz‘ ihren Abschluss gefunden. Eindrückliche Pilgertage gingen vor einem Jahr zu Ende, die jetzt neu hier ihren Anfang nahmen. Die eindrückliche Abteikirche, die enge schrofffelsige Eröffnung des Rhonetales, das Bewusstwerden der geschichtlichen Dimension des Ortes, sollten ihre Bedeutung erhalten. Nachdem wir wichtige Eindrücke zum Ort aufgenommen hatten, brachen wir auf mit dem Zug über Martigny nach Sembrancher, wo unser Pilgerweg zu Fuss begann.
 
Wanderung: Sembrancher – Orsières
Von Sembrancher ging der Weg steil bergauf zur Kapelle St. Jean. Die Aussicht gab einen weiten Blick ins Tal in Richtung Le Châble und Verbier frei. Pilger nehmen häufig den Weg auf sich, damit sie ein wichtiges Anliegen oder einen Wunsch am Pilgerziel platzieren können. Als Gruppe unterwegs wäre es falsch, wenn jeder dieses Ziel alleine mit sich tragen würde. Petra hat im Voraus ein Pilgerband genäht, worauf sie ein Gebet geschrieben hat. Dieses Pilgerband hat 12 Fächer. Jede*r Teilnehmer*in hat nun sein Anliegen oder den Wunsch auf ein kleines Blatt geschrieben, das Blatt gefaltet, und in ein Fächli des Pilgerbandes gesteckt. Das Pilgerband wurde anschliessend auf dem gesamten Weg von einem*r der Pilger*innen im Rucksack mitgetragen. Über den gesamten Weg wusste somit jede*r sein Anliegen von der gesamten Gruppe mitgetragen. Mit einem Lied machten wir uns weiter auf den Weg nach Orsiéres. Bei ‘Chez Jo’ nächtigten wir im echt brocanten Hotel Union.
 
Wanderung: Orsières – Bourg St. Pierre
Vom Schlaf und dem tollen Frühstück neu gestärkt, führte uns der Weg dem Fluss Dranse d’Entremont entlang und liess uns anschliessend einiges an Höhenmeter überwinden, bis wir nach Liddes kamen. Einkäufe mussten im dortigen Laden gemacht werden, für Dinge, die in Bourg St. Pierre nicht erhältlich waren. Der Lärm des Verkehrs der Passtrasse begleitete uns, wie auch die vielen wilden Blumen in den Wiesen, die von unserem blumenkundigen Pilger Peter erkannt wurden. Von den vielen sind hier nur der Türkenbund und die seltene Schwefelanemone genannt. Am Etappenziel und Übernachtungsort Maison St. Pierre angelangt, war unsere Reservation nicht vorbereitet. Zuständige Personen waren nicht erreichbar oder konnten keine Lösung bieten. Nach 2 Std. des Wartens konnten wir dann dank einer Notlösung unsere Betten beziehen. Auch dies kann beim Pilgern vorkommen und nötige Flexibilität von allen fordern. Petra kochte ein feines Risotto, während andere draussen den Tisch deckten. Ein spiritueller Input zum Thema ‘persönliche Grenzen’ und der gesangliche Abschluss beendeten den Tag.
 
Wanderung: Bourg St. Pierre – Col Grand St. Bernard
Nochmals stand einiges an Höhenmeter an. Die Staumauer des Lac de Toules war bald erreicht. Der niedrige Wasserstand hatte die Schwimmelemente der Photovoltaikanlage auf dem Grundboden des Sees abgesetzt. Bei den letzten Bäumen die am Wanderweg noch Schatten boten, machten wir Mittagsrast. Angenehme Temperaturen und der leichte Bergwind erfreuten uns, während wir die Hitze im Mittelland mit über 30° nur ahnen konnten. Je näher wir dem Pass kamen, umso mehr zeigten sich die letzten Schneeflecken des Winters und die Überreste des jahrhundertealten Säumerweges. Vor dem Pass forderte der Weg mit seiner Steilheit noch einiges an Kräften, umso glücklicher waren wir, als wir oben ankamen. Auch Mily mit fast 80 Jahren hatte alle Erschwernisse des Weges erfolgreich geschafft. Das jüngste Mitglied hatte schon viel früher Bedenken, ob sie den Weg auch schaffen würde. Am Schluss wanderte sie die letzten Kilometer barfuss, was alle beeindruckte. Ein erster kühler Trunk auf dem Pass stärkte die Kehlen. Beeindruckt von den grossen Baulichkeiten des Hospizes, begannen wir dieses zu erkunden und bald konnten wir den reservierten grossen Schlag im Hospiz, im Haus der Mönchsgemeinschaft beziehen. Diese haben auch zu Vesper und am Sonntag zu Laudes und Gottesdienst eingeladen. Vor dem Gottesdienst am Sonntag übergaben wir die notierten Anliegen aus dem Pilgerband an Gott. Die Zettel wurden auf einem von Steinen geschützten Platz dem Feuer übergeben, währendem im Kreis das Gebet gesungen wurde, das auf dem Pilgerband stand:
Behüte mich Gott, ich vertraue Dir, Du zeigst mir den Weg zum Leben. Bei Dir ist Freude, Freude in Fülle.
Das Band wurde auf dem gesamten Weg mitgetragen. Mögen die Anliegen von Gott erhört werden und in Erfüllung gehen. Gemeinsam machten wir uns auf den Heimweg. Das Postauto brachte uns nach Orsières und der Zug weiter in Richtung jedes Wohnortes, wo er oder sie zu Hause ist.

Gelungene Pilgertage haben wir erlebt!

 

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