Assisi

Franziskanische Gemeinschaft bewegt Menschen

Familienferien im Campo Cortoi

GruppenfotoCampoCortoi2018Familienferien im Tessin

«Feiern», das war unser Thema im diesjährigen Familienlager, welches zum sechsten Mal im abgelegenen Campo Cortoi oberhalb von Mergoscia stattfand. Wir, fünf Familien und drei Jugendliche haben die Tage im Tessin «voll gefeiert», doch es gab auch Momente, da gab es «echt nichts zu feiern».

Nach dem steilen Aufstieg durch den Kastanienwald, hinauf ins Rusticodörfchen «Monti di Cortoi», feierten wir das Ankommen und das Abstellen der schweren Rucksäcke, denn nach Cortoi gibt es keine Transportbahn und keine Strasse. Glücklich darüber, oben zu sein, feierten wir einfach alles: Die Sonne, unser Zusammensein mitten in der Natur, dass wir trotz Wasserknappheit pro Tag 1 Minute duschen durften, das Essen, das Abwaschen, die Gespräche, das Spielen. Besonders in Erinnerung bleiben wird uns, dass unsere tägliche kleine Feier spontan von vier Kindern vorbereitet und durchgeführt wurde.

Sie führten uns fünf Tage aus ihrer Sicht und gekonnt durch das Thema «Feiern». Was kann man alles Feiern und was kann man nicht feiern? Was braucht es zum Feiern? Wie zeige ich, dass ich glücklich bin und feiern möchte? Kleine Gruppenarbeiten, Austausch, Lieder, eigene Gedanken und ein Mandala mit Naturmaterialien brachten uns jeden Tag den Antworten näher.

Weniger zu feiern hatten wir am zweiten Tag: Eine tiefe Schnittwunde und ein verstauchter Knöchel. Doch auch darin fanden die Kinder etwas zu feiern: Es hätte ja etwas Schlimmeres passieren können. Wir ahnten nicht, dass am kommenden Tag ein Kind den Arm brechen würde und es mit der Rega ins Spital geflogen werden muss. Jetzt hatten wir «echt nichts mehr zu feiern» und wir schickten unsere besten Wünsche mit ins Spital. Doch schnell machte dieser Gedanke die Runde: Haben wir nicht viel Glück, dass wir hier in der Schweiz eine so gute Notfallversorgung haben? Der Helikopter der Rega im Tessin war besetzt, da flog einfach der Helikopter von Erstfeld zu uns.

Die weiteren Tage verliefen ruhiger, aber ganz fehlte die Spannung nicht. So glaubten einige Kinder, dass sie beim Aufstieg zum Kreuz oberhalb von Cortoi einen Luchs gesehen hätten. Wir zweifelten und nahmen an, dass es vielleicht eine Katze war. Als sich jedoch am folgenden Tag der Bauer von nebenan nach der vermeintlichen Sichtung erkundigte und die Kinder sehr genau befragte, sogar mit ihnen Skizzen erstellte, bekam die Sache eine neue Gewichtung. Tatschlich hätte ein Wildhüter in der Nähe Spuren eines Luchses gefunden und dort seien nun seine Kühe und mit ihnen kleine Kälber auf der Weide. Die Kinder waren stolz, dass sie wichtige Hinweise liefern konnten – dies «feierten» wir natürlich.

Neben der Aufregung und Spannung fanden wir viel Zeit, unsere Gemeinschaft zu pflegen: spielen, reden, abwaschen, kochen, Pizza-Abend und einfach sein. Eine ganze Woche, ohne festes Programm. Wir haben wirklich «viel zu feiern», darin waren wir uns am Schluss dieser Woche alle einig. Und so sah es wohl auch Franziskus, als er am Ende seines Lebens, mitten im Leid der Mitmenschen und der eigenen Gebrechlichkeit mit der Dichtung des Sonnengesangs das Schöne und Gute hervorhob und feierte: «Laudato si o mi signore».

 Thomas Betschart, Franziskanische Gemeinschaft – Familien

 

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